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Von der Drohnenbefliegung zur interaktiven 3D-Umgebung

  • 3 minute read
  • Stefan Liening
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Stellen Sie sich vor, Sie könnten durch die „Gärten der Welt“ in Berlin-Marzahn spazieren – ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen. Dank modernster Drohnentechnologie, präziser Vermessung und leistungsstarker GIS-Software ist das jetzt möglich. Für die Grün Berlin GmbH, landeseigene Betreibergesellschaft der Parkanlage, hat ARC-GREENLAB die Bestandsdaten aktualisiert. 

Gärten der Welt

Die Parkanlage im Osten Berlins hat eine Größe von 43 Hektar und umfasst elf Themengärten und neun internationale Gartenkabinette. Die Anlage vereint internationale Gartenkunst mit Kulturveranstaltungen und war 2017 Austragungsort der Internationalen Gartenausstellung. 

Projektziel und Ausgangslage

Das ursprüngliche Projektziel war die Aktualisierung der Bestandsdaten der Parkanlage für das Berliner Grünflächeninformationssystem (GRIS). Dafür mussten vor Ort aktuelle und präzise Daten gewonnen werden. Um darüber hinaus zu zeigen, dass noch einiges mehr möglich ist, hat ARC-GREENLAB einen Teil der Gärten der Welt ausgewählt und einen zusätzlichen Video-Flug durchgeführt.

Auf Grundlage dieser Daten konnte ein digitales Abbild geschaffen werden, das wiederum als Basis für interaktive 3D-Visualisierungen, VR-Anwendungen und zukünftige Managementaufgaben dienen kann. 

Digitales Abbild

Schauen Sie sich das digitale Abbild in interaktiver Form an!

Drohnenbefliegung und Datenerfassung  

Zum Einsatz kamen Multisensorsysteme wie die DJI Mavic 3 Enterprise und DJI Phantom 4 RTK. Diese Drohnen liefern hochauflösende Luftbilder und ermöglichen durch RTK-Technologie eine Genauigkeit von ±2 cm. Ergänzt durch Ground Control Points (GCP), die mit GNSS- und RTK-Korrekturdaten eingemessen wurden, entstand eine präzise Datengrundlage für die weitere Verarbeitung. 

Drohnenflug

Die systematische Befliegung wurde mit ArcGIS Pro geplant und in Sektoren eingeteilt. Während der Flüge wurden zahlreiche Fotos und Videodaten unter Verwendung der ArcGIS Flight App von Esri aufgenommen. Diese wurden dabei direkt mit präzisen Geokoordinaten versehen. Für ausgewählte Standpunkte wurden Oriented Imagery Layer erstellt, die eine interaktive Bildbetrachtung aus verschiedenen Perspektiven ermöglichen. 

Vom Himmel auf den Bildschirm: ArcGIS als Schlüsseltechnologie

Nach der Befliegung begann die eigentliche Magie – und hier spielten ArcGIS-Produkte eine zentrale Rolle und wurden für die Datenverarbeitung und Visualisierung genutzt. 

Aus den Luftbildern wurden mittels photogrammetrischer Verfahren ein Orthomosaik und eine detaillierte 3D-Punktwolke erzeugt. Aus der Punktwolke wurde zuerst ein CAD-Plan erstellt, welcher mit der Feature Manipulation Engine (FME) in GIS-Objekte konvertiert wurde. Anschließend erfolgte in ArcGIS Pro die Digitalisierung der Bestandsobjekte sowie die Erstellung eines präzisen digitalen Geländemodells. Die Ergebnisse wurden als interaktive 3D-Szenen in ArcGIS Enterprise und ArcGIS Online veröffentlicht. 

Besonders innovativ: Mit den „Oriented Imagery Layers“ konnten ausgewählte Kamerastandpunkte interaktiv dargestellt werden, sodass die Nutzer:innen die Gärten aus verschiedenen Perspektiven erleben können.

Oriented Imagery Layers

Ein Blick in die Zukunft: Virtual Reality trifft GIS    

Doch das Projekt geht noch einen Schritt weiter. Die Kombination von ArcGIS mit der Unreal Engine 5 eröffnete völlig neue Möglichkeiten. Mit Hilfe des ArcGIS Maps SDK for Unreal Engine konnten die Geodaten in eine Virtual-Reality-Umgebung integriert werden. 

Das Ergebnis: Ein immersives Erlebnis, bei dem Besucher:innen mit einer VR-Brille durch die „Gärten der Welt“ spazieren können. Die Punktwolken-Daten wurden so angepasst, dass sie in der Unreal Engine realistisch dargestellt werden – inklusive der Lichtverhältnisse, Farben und Größen. Jede Pflanze, jeder Weg und sogar die Seilbahn sind im 3D-Mesh naturgetreu erkennbar. 

ArcGIS als Grundlage für den digitalen Zwilling

Die ArcGIS-Softwarelösungen waren ein zentraler Erfolgsfaktor dieses Projekts. Mit ArcGIS Pro konnten die komplexen Drohnendaten effizient verarbeitet, georeferenziert und analysiert werden. Die Integration in ArcGIS Enterprise und ArcGIS Online ermöglichte die unkomplizierte Veröffentlichung und Freigabe der 3D-Szenen – sowohl für interne Planungsprozesse als auch für die Öffentlichkeitsarbeit.

Durch die Kompatibilität mit externen Anwendungen wie Unreal Engine und die Unterstützung von VR-Schnittstellen wurde das volle Potenzial der Daten ausgeschöpft. Besonders wertvoll war die Fähigkeit von ArcGIS, verschiedene Datenquellen (Orthomosaike, Punktwolken, Videodaten mit der ArcGIS Flight App) nahtlos zu vereinen und als Grundlage für innovative Anwendungen wie Besucherlenkung, Vegetationsmonitoring und Veranstaltungsplanung zu dienen. 

Ausblick

Ein digitaler Zwilling der „Gärten der Welt“ hat großes Potenzial! Perspektivisch erleichtert er die Planung von Wartungsarbeiten, hilft bei der Besucherlenkung und unterstützt das Vegetationsmonitoring. Gleichzeitig eröffnet er neue Möglichkeiten für digitale Erlebnisangebote. 

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie moderne Drohnentechnologie, innovative Visualisierungsansätze und leistungsstarke GIS-Software zusammenkommen können, um Grünflächen nicht nur effizient zu verwalten, sondern auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Vorteile reichen von der schnellen, präzisen Datenerfassung und -verarbeitung über fotorealistische 3D-Visualisierungen bis hin zu immersiven VR-Erlebnissen.

Zukünftig können die „Gärten der Welt“ mit diesem Ansatz nicht nur ein Ort der Erholung und Inspiration, sondern auch ein Vorreiter für zukünftige digitale Innovationen sein – von neuen Besucherangeboten bis hin zu nachhaltigem Ressourcenmanagement. 

Und wer weiß – vielleicht ist Ihr nächster Spaziergang durch die „Gärten der Welt“ dann nur noch einen Klick entfernt. 

Werfen Sie auch einen Blick in die begleitende StoryMap und erleben Sie das Projekt interaktiv!

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