• Smart City
  • Location Intelligence
  • Infrastructures
  • Öffentliche Sicherheit
  • Smart Environment
  • GeoAI
  • Smart City
  • Location Intelligence
  • Infrastructures
  • Öffentliche Sicherheit
  • Smart Environment
  • GeoAI
Themen
3D Augmented Reality Big Data BIM Breitbandausbau Bürgerbeteiligung Case Study Covid-19 Dashboard Digital Twin DigitalTwin Health Screening Imagery Indoor Navigation IoT Kartografie Klimawandel KRITIS Lagebild Last Mile Delivery Machine Learning Mobilität Monitoring Nachhaltigkeit Open Data Operational Intelligence Realtime Analytics Stadtplanung Standortanalyse Startups Supply Chain Tourenplanung Umweltmonitoring
Facebook
Twitter
Instagram
YouTube
LinkedIn
RSS
  • Location Intelligence
  • Smart Environment
  • Smart City
  • Infrastructures
  • GeoAI
Abonnieren

Mit GIS gegen Starkregen: Ein Werkzeug für klimaresiliente Stadtplanung 

  • Alexander Burakow
  • 3 minute read
Starker Regen in einem Wohngebiet mit Bäumen und überschwemmter Straße. Dichter Niederschlag reduziert die Sicht und verursacht Wasseransammlungen auf der Fahrbahn.
0
0
0
0

Heftige Sommergewitter, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller: Die Bilder der letzten Jahre zeigen eindrücklich, dass Starkregen keine Randerscheinung mehr ist. Städte stehen unter Druck: Eine immer dichtere Bebauung, versiegelte Flächen und steigende Klimarisiken verschärfen die Gefahr. Doch wie lässt sich Stadtplanung so gestalten, dass sie auf Extremwetter vorbereitet ist, noch bevor die ersten Neubauten entstehen? 

Genau hier setzt die Masterarbeit von Alexander Burakow an. Mithilfe von GIS wurde ein Werkzeug entwickelt, das Planerinnen und Planern ermöglicht, städtebauliche Entwürfe frühzeitig auf ihre Anfälligkeit für Starkregen zu prüfen und sie direkt im Entwurfsprozess anzupassen. 

Vom Stadtmaßstab ins Quartier 

Klassische Starkregenmodelle arbeiten meist im großen Maßstab: Ganze Stadtgebiete werden modelliert, was enorme Rechenleistung erfordert und für konkrete Entwurfsgebiete oft zu grob ist. Um dem entgegenzuwirken, wurde die sogenannte Bluespot-Modellierung an spezifische Anforderungen angepasst. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-ArcGIS-Toolbox zur Berechnung von Geländesenken und Abflusswegen. Sie wurde vom Kopenhagener Professor Thomas Balstrøm entwickelt. Die angepasste Toolbox kann insbesondere auf kleine Quartiere angewendet werden. 

Der Kniff dabei ist, dass sich das Modell nicht auf die gesamte Stadt, sondern auf den relevanten Umkreis eines Planungsgebiets konzentriert. So lassen sich Modellierungen für die Stadt Kassel etwa zehnmal schneller berechnen, ohne dass Genauigkeitsverluste entstehen. Damit wird ein iterativer Entwurfsprozess möglich: Planen, testen, anpassen – und das alles innerhalb weniger Minuten. 

Mehr Grün, weniger Risiko 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Vegetation. In klassischen Modellen wird oft von einer vollständig versiegelten Fläche ausgegangen. Dies ist zwar konservativ, vernachlässigt jedoch den entscheidenden Puffer, den Bäume, Wiesen oder entsiegelte Böden bieten. 

Um diesen Effekt zu berücksichtigen, wurde mithilfe eines selbst antrainierten Deep-Learning-Modells eine Vegetationserfassung durchgeführt, bei der die erfassten Flächen in drei Kategorien eingeteilt wurden: von voll versiegelt bis stark durchgrünt. Anschließend wurden den Flächen im Modell entsprechende Widerstandswerte zugewiesen. 

Das Ergebnis: Dicht begrünte Flächen können erhebliche Mengen an Niederschlag zurückhalten und bei ausreichender Ausprägung die Gefahr von Starkregenfluten lokal reduzieren. Solche Unterschiede sind in frühen Konzeptphasen entscheidend, um die Wirksamkeit von Entsiegelung und Begrünung sichtbar zu machen. 

Schematische Darstellung von Niederschlag über drei Vegetationsbereichen (I–III). Im linken Bereich mit Bäumen werden Interzeption, Transpiration und Infiltration dargestellt. Nach rechts nimmt die Vegetationsbedeckung ab, während Oberflächenabfluss zunimmt. Blaue Linien symbolisieren Regen, schwarze gestrichelte Linien trennen die Bereiche.
Vegetationstypen im Vergleich

Neue Werkzeuge von Esri 

Auch die Technologie hat sich im Bereich der Starkregenmodellierung stark weiterentwickelt. Neuere Versionen der Modelle arbeiten nicht mehr nur mit einem allgemeinen Versickerungsfaktor, sondern berücksichtigen deutlich komplexere Parameter. So lassen sich beispielsweise Infiltrationsraten und die Rauigkeit von Oberflächen als Rasterlayer einbeziehen. 

Luftbild einer Industrie- und Gewerbefläche mit überlagerter Hochwasser- bzw. Überflutungsmodellierung. Blaue Flächen markieren potenziell überflutete Bereiche entlang eines Gewässers am südlichen Rand des Geländes.
Luftbild eines Industrie- und Gewerbegebiets mit Überlagerung potenzieller Überflutungsflächen. Blaue Bereiche markieren Wasseransammlungen und Überschwemmungszonen entlang eines Gewässers und in tieferliegenden Freiflächen.

Visualisierung der Flood Simulation vorher (links) und nachher (rechts) 

Diese Fortschritte machen die Modelle nicht nur präziser, sondern auch anschaulicher. In Form von klar visualisierten 2D- und 3D-Darstellungen lassen sich die Ergebnisse einfach kommunizieren – ein entscheidender Vorteil in interdisziplinären Planungsprozessen, in denen Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verwaltung eng zusammenarbeiten.

Zwei Fallstudien in Kassel 

Zur Überprüfung der Methode wurden zwei sehr unterschiedliche Planungsareale in Kassel untersucht. 

  • Gesamtschule Nord+ (Stadtteil Nord-Holland):  

Ein reales Wettbewerbsprojekt für einen Schulneubau hat exemplarisch gezeigt, dass konventionelle Entwurfsverfahren ohne explizite Klimaanpassung schnell problematisch werden können. In der Modellierung führten Senken im Gelände und bauliche Einschnitte zu gefährlichen „Bluespots“ und Überflutungen von bis zu 70 cm Tiefe. 

  • Ehemalige Werkssiedlung (Stadtteil Bettenhausen):  

Für ein bislang unbebautes Areal wurde im Rahmen der Forschungsarbeit ein eigenes, fiktives Konzept entworfen, das von Anfang an mit dem GIS-Workflow abgestimmt wurde. Durch ein durchdachtes Gebäude- und Erschließungslayout sowie einen renaturierten Bachlauf, Retentionsflächen und eine „Landschaftstreppe“, konnte das Gebiet so gestaltet werden, dass es Starkregen wie ein Schwamm aufnimmt und gezielt ableitet. Probleme, die im ersten Konzept auftraten, ließen sich so in mehreren Iterationsschritten beheben. 

Die beiden Beispiele zeigen: GIS macht Schwachstellen sichtbar und eröffnet Gestaltungsspielräume für resiliente Lösungen. 

Planungskultur im Wandel 

Das Ziel der Masterarbeit bestand nicht in der perfekten Optimierung von Konzeptplänen, sondern der Entwicklung eines Werkzeugs für vorausschauende Stadtplanung, das potenzielle Schwachstellen frühzeitig aufzeigt. Wenn GIS-Modellierungen bereits in der frühen Entwurfsphase eingesetzt werden, können problematische Konzeptbestandteile rechtzeitig angepasst und neu durchdacht werden, bevor sie aufwendig ausgearbeitet oder gar gebaut werden. 

Erfahrungen aus Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Kassel untermauern die Dringlichkeit einer Integration der Starkregenanpassung in Planungsprozesse. Die technischen Grundlagen für eine flächendeckende Nutzung sind bereits vorhanden. Entscheidend ist vor allem, sie konsequent zu nutzen und durchzusetzen. 

Fazit: Prävention statt Reaktion 

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, welche Folgen unzureichende Vorsorge im schlimmsten Fall haben kann. Aber auch lokale Extremwetterereignisse wie der Starkregen in Kassel im Jahr 2023 zeigen, dass es jeden treffen kann. Städte müssen daher insgesamt widerstandsfähiger werden, und Geoinformationssysteme können hierbei eine Schlüsselrolle spielen. 

Mit dem im Masterprojekt entwickelten Workflow lassen sich Planungsentwürfe einfach, schnell und praxisnah auf ihre Resilienz gegenüber Starkregen überprüfen. So wird eine Planungskultur der Vorbeugung gestärkt, die Klimarisiken ernst nimmt und gleichzeitig neue Freiräume für eine kreative, grüne Stadtgestaltung schafft. 

Denn eines ist sicher: Der nächste Regen kommt bestimmt. 

Share
Tweet
Share
Share
Share
Related Topics
  • Klimawandel
  • Stadtplanung
  • Standortanalyse
Voriger Artikel
Berglandschaft mit steilen Felswänden und dicht bewaldeten Hügeln unter blauem Himmel.

Kartierung der UNESCO‑Stätten offenbart, was jahrzehntelange Papieraufzeichnungen nicht konnten

  • WhereNext Redaktion
Weiterlesen
Auch interessant
Berglandschaft mit steilen Felswänden und dicht bewaldeten Hügeln unter blauem Himmel.
Weiterlesen
  • Smart Environment

Kartierung der UNESCO‑Stätten offenbart, was jahrzehntelange Papieraufzeichnungen nicht konnten

  • WhereNext Redaktion
  • 25. Juni 2026
Luftaufnahme einer Stadt mit zentralem Park und Kirche, umgeben von dichter Bebauung und einem See im Vordergrund.
Weiterlesen
  • Smart Environment

Flächen neu denken: Ein digitales Entsiegelungskataster für Niedersachsen 

  • Marcel Ziems
  • 21. Mai 2026
Luftaufnahme einer Moorlandschaft mit unregelmäßig verzweigten Wasserläufen und flachen Tümpeln, umgeben von hellbraunen Feuchtwiesen und dichter Vegetation; am Bildrand grenzt ein Wald an die nassen Moorflächen.
Weiterlesen
  • Smart Environment

Digitale Karten als Grundlage für erfolgreichen Moorschutz 

  • Josefa Voigt and Étienne Degeest
  • 7. Mai 2026
Kaya Sittard auf der Bühne der Esri Plenary in Bonn
Weiterlesen
  • GeoAI
  • Infrastructures
  • Location Intelligence
  • Öffentliche Sicherheit
  • Smart City
  • Smart Environment

Mit starker Community und konsequentem Kundenfokus die digitale Transformation gestalten

  • WhereNext Redaktion
  • 10. Dezember 2025
Weiterlesen
  • Smart Environment

Die stillen Krisen der Ökosysteme erkennen: Mit Survey123 den Zustand unserer Umwelt erfassen 

  • Tim Hermes
  • 30. Oktober 2025
Weiterlesen
  • Smart Environment

Zu den positiven Auswirkungen der Nutzung mobiler Anwendungen in der landwirtschaftlichen Betriebsführung 

  • Michael Mundt
  • 24. Oktober 2025
Weiterlesen
  • Smart Environment

GIS trifft Landwirtschaft: Datenbasiert entscheiden, besser ernten

  • Katharina Kriegshäuser
  • 8. August 2025
Weiterlesen
  • Smart Environment

Von der Drohnenbefliegung zur interaktiven 3D-Umgebung

  • Stefan Liening
  • 1. August 2025
Alexander Burakow
M. Sc. Stadt- und Regionalplanung, Universität Kassel
  • Starkregenvorsorge: Wie sich die Stadt Göttingen vor Unwetter schützt

    Weiterlesen
  • Digitale Nähe schaffen: Wie eine mobile App Kommunen und Bürger verbindet

    Weiterlesen
  • Wald Borkenkäfer

    GIS im Kampf gegen Waldschädlinge

    Weiterlesen
Lesen Sie jetzt das WhereNext Spezial 2025 mit 21 Success Stories aus der Praxis
Jetzt anmelden zur IMGIS 2026 in Frankfurt am Main vom 15. bis 17. April
Eine Auswahl an Lieblingsmaps in den Maps We Love von Esri Deutschland und Esri Schweiz
WHERENEXT

Das Fachmagazin für Best Practices, Interviews und Success Stories rund um Location Intelligence.

Herausgegeben von Esri Deutschland und Esri Schweiz – den Anbietern für Geospatial Infrastructure.

Logos von Esri Deutschland und Esri Schweiz in schwarz
MEISTGELESEN
  • Starker Regen in einem Wohngebiet mit Bäumen und überschwemmter Straße. Dichter Niederschlag reduziert die Sicht und verursacht Wasseransammlungen auf der Fahrbahn.
    Mit GIS gegen Starkregen: Ein Werkzeug für klimaresiliente Stadtplanung 
  • Berglandschaft mit steilen Felswänden und dicht bewaldeten Hügeln unter blauem Himmel.
    Kartierung der UNESCO‑Stätten offenbart, was jahrzehntelange Papieraufzeichnungen nicht konnten
  • Eingangsbereich eines modernen Geschäfts mit der grünen Beschilderung „Geers“. Große Glasfronten geben den Blick ins helle Innere frei, in dem Sitzbereiche und Displays zu sehen sind. Vor dem Eingang stehen zwei runde, goldfarbene Pflanzkübel mit kleinen Bäumen. Das Geschäft befindet sich in einem Gebäude mit Balkon darüber, auf dem mehrere Klimaanlagen installiert sind. Links und rechts des Eingangs führen Gehwege entlang einer belebten Straße mit weiteren Gebäuden und Passantinnen und Passanten.
    Vom Piloten zur globalen Entscheidungsgrundlage: Mit Dashboards zu datengestützten Standortinvestitionen
INFO
  • About
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Esri Deutschland
  • Esri Schweiz
  • ArcGIS

Gib dein Suchwort ein und drücke Enter.

X