Die Planung großer Infrastrukturprojekte bringt stets logistische Herausforderungen mit sich. Besonders anspruchsvoll wird es, wenn es – wie bei der Errichtung eines Unterwassertunnels–einer durchdachten Logistikstrategie bedarf, die neben Aspekten wie Wirtschaftlichkeit und Zeitmanagement auch die Ökobilanz berücksichtigt.
Beim Neubau der Elbunterquerung nahe Glückstadt setzt die DEGES erstmals auf einen eigenen Systemverbund aus BIM, GIS und Ökobilanzierung. Ziel ist es, objektorientierte Daten zu bündeln, Redundanzen zu vermeiden und schon in der Planungsphase den CO2-Ausstoß zu minimieren.
Bereits seit 2014 arbeitet die DEGES mit BIM (Building Information Modeling), um ihre Bauprojekte in Form digitaler Modelle zu planen, zu bauen und zu steuern. Damit wird eine gemeinsame Basis für alle Beteiligten über alle Bearbeitungsphasen geschaffen und präzisere Auswertungen, transparente Prozesse und eine engere Zusammenarbeit unterstützt. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) definiert daher mit dem „Masterplan BIM Bundesfernstraßen“ BIM als künftigen Standard für Autobahnen und Bundesstraßen.
Über die DEGES GmbH
Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 plant und realisiert die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) große Infrastrukturprojekte als Projektmanagementgesellschaft im Auftrag des Bundes und von zwölf Bundesländern. Mehr als 500 Mitarbeitende an sieben Standorten kümmern sich um alle planerischen, technischen, rechtlichen und kaufmännischen Fragen rund um den Aus- und Neubau von Autobahnen, Bundesstraßen, Brücken und Tunneln. Dabei beweist die DEGES immer wieder Innovationsgeist und hat sich mit ihrer eigenen Digitalisierungsstrategie das Ziel gesetzt, alle geschäftsrelevanten Abläufe zu digitalisieren.

Ausnahmeprojekt Elbquerung
Die Planung des Elbtunnels der A20 bei Glückstadt zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen stellte die DEGES vor die besondere Herausforderung, dieses komplexe Großprojekt ganzheitlich, also ökonomisch als auch ökologisch, zu betrachten. Schon im Planungsprozess wurde die immense Dimension des Projektes sichtbar: Zwei Tunnelröhren mit jeweils über 6,5 Kilometern Länge und 13 Metern Durchmesser ergeben ein Ausbruchvolumen von etwa 4,5 Millionen Kubikmetern. Um die Transportwege des Bodenmaterials möglichst (kosten-)effizient und umweltschonend zu gestalten, beschloss die DEGES, ihre Arbeit mit der BIM-Methodik um weitere Tools zu ergänzen.

Digitales Abbild der Projektlandschaft
Um derartige Stoffströme optimieren zu können, ist die DEGES-GeO, eine auf Esri-Technologie basierende Geodateninfrastruktur, zentraler Bestandteil des Projekts. Es ermöglicht den Fachplanerinnen und Fachplanern die gemeinsame Darstellung von BIM-Daten und Geoinformationen in 2D oder 3D, und verbessert die kontextbezogene Orientierung im Planungsraum.
Über flexible Kartenansichten mit verschiedenen Layern wird eine schnelle Anpassung an die jeweilige Aufgabenstellung gewährleistet. Gleichzeitig werden ansonsten schwer zugängliche Einsichten, Planungsrisiken oder -konflikte durch die räumliche Bildgebung auf einen Blick erkennbar. Das spart aufwendige Recherchen, vermeidet redundante Informationen und fördert die Kommunikation und Zusammenarbeit im Projekt entscheidend.
Mit ihren flexiblen Darstellungs- und Analysemöglichkeiten ist die DEGES-GeO ein wertvolles Tool in allen Projektbereichen und wird von den Mitarbeitenden flexibel am Rechner oder mit den mobilen Endgeräten auf der Baustelle genutzt.
Die Ökobilanz fest im Blick
Damit der CO2-Fußabdruck des Elbtunnelbaus bei Glückstadt im Blick gehalten werden kann, errechnet die DEGES mithilfe ihres Ökobilanzierungstools die zu erwartenden Umweltauswirkungen und leitet daraus gezielte Maßnahmen zur Emissionsreduktion ab.
Die Kombination von GIS und BIM nach buildingSMART Standards spielt dabei eine wichtige Rolle: Räumliche Analysen von Lieferwegen und Lagerflächen sowie das Echtzeitmonitoring von Baustellenbewegungen werden es ermöglichen, Transportwege zu verkürzen und Energie einzusparen. Dank des Systemverbunds aus BIM und GIS mit der Erweiterung des Tools der Ökobilanzierung, können Nachhaltigkeitskennzahlen direkt in die Bauplanung integriert werden, verschiedene Logistik- und Bauvarianten per Simulation betrachtet und hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen verglichen werden.
Ausgezeichnetes Logistikkonzept
Mit ihrem innovativen Systemverbund aus BIM, GIS und Ökobilanzierung setzt die DEGES Maßstäbe für umweltverträglichere Infrastrukturplanung. Das honorierte auch die Jury des Kompetenznetzwerks buildingSMART Deutschland und zeichnete die DEGES als „BIM Champion 2025 in der Kategorie Nachhaltigkeit“ aus – eine wertvolle Bestätigung auf dem Weg zu immer nachhaltigeren und zukunftsfähigen Logistikstrategien.



