Um Rettungsmaßnahmen besser koordinieren und die Verteilung von Einsatzmitteln optimieren zu können, hat die Kantonale Walliser Rettungsorganisation ein digitales kartenbasiertes Analysesystem auf der technischen Grundlage von Esri-Technologie eingeführt. Das System verhilft der KWRO zu mehr Effizienz – und den Patientinnen und Patienten zu einer schnelleren Versorgung.
Während das Rettungswesen in den meisten Regionen der Welt staatlich organsiert ist, geht der Schweizer Kanton Wallis seinen eigenen Weg: Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) verantwortet als privater Verein zentrale Aufgaben wie den Betrieb der Notrufzentrale „144“, die Koordination von Rettungseinsätzen und den Transport von Patientinnen und Patienten per Rettungswagen oder Hubschrauber. Dabei arbeitet die KWRO eng mit der Feuerwehr, der Polizei und medizinischen Einrichtungen zusammen.
Relevanz und Qualität der Dienstleistungen der KWRO werden regelmäßig vom Walliser Rettungsdienst DISSVAL (dispositif sanitaire des secours valaisans) kontrolliert, dem der Verein Bericht erstattet. Anfangs erfolgte das Monitoring bei der KWRO mithilfe von Tabellen, in denen Reaktionszeiten, Verfügbarkeiten von Ressourcen und die Verteilung der Einsätze festgehalten wurden. Doch mit zunehmender Datenkomplexität entstand der Wunsch nach einer effizienteren Lösung; nach einer Möglichkeit, die Arbeit der KWRO übersichtlich dokumentieren und bewerten zu können.
Struktur und Überblick dank GIS
Mit Unterstützung von Esri Schweiz begann die Organisation im Jahr 2020 damit, das Walliser Rettungsnetz erstmals auf einer Karte zu visualisieren. Nach dem Erfolg dieses Pilotprojekts wurde in einem zweiten Schritt die ArcGIS Plattform eingeführt, um durch Integration historischer Einsatzdaten und variabler Faktoren wie Straßennetz, Topografie oder Bevölkerungsdichte präzise Antworten auf wesentliche Fragen der Notfallversorgung zu erhalten. In welchen Regionen gibt es Überlastungen? Wo sind zusätzliche Rettungsfahrzeuge nötig? Welchen Einfluss hat die Tageszeit auf die Einsatzdauer?
Die räumliche Analyse der Einsätze und ihrer umgebenden Bedingungen erlaubt der KWRO in vielen Belangen wertvolle Schlussfolgerungen und fundierte Entscheidungen. Auf der Grundlage von Geodaten kann die Organisation die Verteilung ihrer Ressourcen präzise simulieren und so die Versorgung maßgeblich optimieren. Vergleiche von Vorab-Simulationen mit später real erfassten Daten haben eine Übereinstimmung von 98 % ergeben – die Abweichungen bei den Einsatzzeiten lagen im Sekundenbereich.

Transparenz im Einsatz
Trotz anfänglicher Skepsis waren die Mitarbeitenden, die bei KWRO mit ArcGIS arbeiten, schnell von den Vorteilen der visuellen Qualitätsprüfung ihrer Einsätze überzeugt. Für die Koordination der KWRO-Rettungsmaßnahmen ist die GIS-Plattform zur wichtigen Entscheidungshilfe geworden. Faktoren wie Ressourcenverfügbarkeit, Tageszeitmuster und regionale Unterschiede werden auf der digitalen Karte sofort sichtbar, und farblich abgestufte Isochrone zeigen auf einen Blick, wie lange Einsätze dauern und wo es Verbesserungspotenzial gibt.
Eine skalierbare Lösung
Natürlich bleibt der Alltag im Rettungswesen dynamisch: Arbeiten auf der Autobahn oder schwierige Wetterlagen lassen sich nicht vollständig vorhersehen. Doch durch passende Integrationen lässt sich das System flexibel erweitern. So profitiert die KWRO in Bezug auf Baustellen bereits von der Echtzeitkarte des kantonalen Straßenbauamts, die ebenfalls auf Esri-Technologie basiert. Und eine Integration von Wetterdaten in die Analysen ist ebenfalls angedacht.
Vorbild im digitalen Rettungswesen
Mit Blick auf die Zukunft plant die KWRO außerdem, die Navigation mit ArcGIS in Rettungsfahrzeugen bereits bei der Bearbeitung des Notrufs zu implementieren und die Einsatzdauern damit weiter zu verkürzen. Mit ihrer vielschichtigen Nutzung von GIS-Technologie für die Organisation von Rettungseinsätzen nimmt die KWRO eine echte Vorreiterrolle ein und zeigt, wie Geodaten Rettungsdienste maßgeblich bei ihrer lebenswichtigen Arbeit unterstützen können.
Über KWRO
Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) wurde im Jahr 1995 gegründet und besitzt seit 2016 den Status einer autonomen öffentlich-rechtlichen Anstalt – also denselben Status wie ein Krankenhaus. Der Verein mit Sitz in Siders wird vollständig vom Kanton Wallis finanziert, beschäftigt rund 40 Mitarbeitende und verwaltet mehr als 25.000 Einsätze pro Jahr. Dabei stützt er sich auf ein Netzwerk von 300 Gesundheitsfachleuten und 3.500 Miliz-Kräften, die unermüdlich für die Menschen des Wallis im Einsatz sind.



