Die ETH Zürich zählt zu den weltweit führenden Hochschulen und setzt mit ihrem Smart Campus neue Standards in Sachen Digitalisierung und Barrierefreiheit. Ziel ist es, ein zentrales Indoor-Geoinformationssystem zu etablieren, das räumliche Daten rund um den Campus und seine Einrichtungen an einem Ort bündelt, analysiert und visualisiert. Ein wesentlicher Antrieb für das 2021 gestartete Projekt war das Bestreben, das Campusleben für alle Studierenden, Mitarbeitenden und Gäste inklusiver und barrierefreier zu gestalten.
Ganzheitliche Datenbasis für den Campus
Die ETH Zürich suchte nach einer Lösung, um ihren Campus – von den Außenanlagen bis zu den Innenräumen der Gebäude – digital und zentral zu erfassen, abzubilden und zu verwalten. Das bisherige Facility-Management-System lieferte zwar wertvolle Daten für Verwaltung und Service, bot jedoch kaum Möglichkeiten für räumliche Analysen oder Prozessoptimierungen. Auch eine anschauliche Visualisierung der Innenräume fehlte, die das Standortbewusstsein fördert und ein effektives, barrierefreies Wegleitsystem unterstützt. Wer sich auf dem Campus zurechtfinden wollte, war bislang auf statische Schilder und Karten angewiesen.
Orientierung neu gedacht: Indoor Navigation für alle
Mit rund 200 Gebäuden und insgesamt 545.000 Quadratmetern Hauptnutzungsfläche an mehreren Standorten ist der ETH-Campus ein weitläufiges, vielschichtiges Areal – für die über 25.000 Studierende ebenso wie für Mitarbeitende, Lieferanten und Gäste. Besonders die historischen, denkmalgeschützten Gebäude mit ihren komplexen Grundrissen erschweren die Orientierung zusätzlich. Herkömmliche Beschilderungen und statische Karten stießen hier schnell an ihre Grenzen und konnten den vielfältigen Bedürfnissen der Campusbesuchenden nicht gerecht werden. Daher wurde für die wichtigsten Lehr- und Forschungsgebäuden auf insgesamt 400.000 Quadratmetern Fläche ein Indoor Navigationssystem aufgebaut. Die Ausweitung auf weitere Gebäude ist geplant.
Barrierefreiheit umfasst im Kontext der Navigation weit mehr als die Berücksichtigung körperlicher Einschränkungen. Auch Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen wie ADHS profitieren von digitalen Lösungen, die Überforderung durch komplexe Karten und Beschilderungen vermeiden und eine intuitive, individuelle Navigation ermöglichen.
„Wir wollten die Digitalisierung vorantreiben und dabei ein hochmodernes Indoor-Positionierungssystem implementieren, um technologisch an vorderster Front zu bleiben.“ – Ricardo Roch, ETH Zürich


Echtzeit-Navigation in der mobilen App der ETH Zürich (links) mit Raumverzeichnis (rechts)
Ein Indoor GIS für den Campus
Mit der Einführung von ArcGIS Indoors und ArcGIS IPS setzt die ETH Zürich auf eine innovative Lösung, die Innenräume in einem interaktiven, digitalen Format visualisiert und verwaltet. Die Umwandlung von CAD- und BIM-Daten in geschossbezogene Karten bildet dabei die Grundlage für das Indoor GIS. Ergänzt wird das System durch ein Indoor-Positionierungssystem, das mittels Bluetooth Low Energy Beacons (BLE) die Live-Position der Nutzenden als blauen Punkt auf der Karte darstellt und so die Orientierung auf dem Campus grundlegend verändert.
Nutzende können ihr Ziel auswählen und erhalten die schnellste oder barrierefreie Route mit Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Die Echtzeit-Navigation unterstützt sie dabei, sich sicher und effizient durch die Gebäude zu bewegen. Die Integration in die bestehende mobile App der ETH Zürich, die bereits zahlreiche campusbezogene Informationen bereitstellt, ist bereits in vollem Gange. In einem ersten Schritt wurde zu Beginn des Herbstsemesters 2025 die Indoor-Positionierung integriert und den Nutzenden die dynamischen Geschosspläne mit Raumsuche und Points of Interest (POI) zur Verfügung gestellt.

Mehrwert für den gesamten Campus
Die ETH Zürich prüft bereits zukünftige Einsatzmöglichkeiten des Indoor GIS, etwa zur Verbesserung der Sicherheit. Im Notfall könnten Menschen mit Beeinträchtigungen gezielt zu horizontalen Evakuierungszonen geleitet werden, wo Ersthelferinnen und Ersthelfer sie sicher erreichen. Auch das Asset-Management könnte von der genauen Standortbestimmung von Notfallausrüstung und anderen wichtigen Ressourcen für das Wartungsmanagement und eine effiziente Bereitstellung von Dienstleistungen profitieren.
„ArcGIS ermöglicht es uns, neue Applikationen für zusätzliche Anwendungsfälle zu entwickeln und aufkommende Bedürfnisse flexibel zu adressieren. Das Potenzial, GIS auf weitere Abteilungen und Bereiche auszuweiten, ist enorm – und hilft uns, den Campus ganzheitlich zu analysieren und zu verwalten.“ – Ricardo Roch, ETH Zürich
Fazit: Das Indoor GIS als Innovationsmotor
Mit dem Smart Campus schafft die ETH Zürich eine zukunftsfähige Infrastruktur, die Wissen, Orientierung und Barrierefreiheit miteinander verbindet. Die zentrale Visualisierung und Analyse der Campusdaten eröffnet neue Potenziale für Effizienz, Sicherheit und Inklusion und setzt einen neuen Maßstab für die Hochschullandschaft weltweit.
Weitere Informationen zur Indoor-Kartenanwendung an der ETH Zürich
Über die ETH Zürich
Freiheit und Eigenverantwortung, Unternehmergeist und Weltoffenheit: Die Werte der Schweiz sind das Fundament der ETH Zürich. Die Wurzeln der technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule reichen zurück ins Jahr 1855, als die Gründer der modernen Schweiz diesen Ort der Innovation und des Wissens geschaffen haben.
Studierende finden an der ETH Zürich ein Umfeld, das eigenständiges Denken fördert, Forschende ein Klima, das zu Spitzenleistungen inspiriert. Im Herzen Europas und weltweit vernetzt entwickelt die ETH Zürich Lösungen für die globalen Herausforderungen von heute und morgen.

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